
Sie ist eine Schönheit. Immerhin schon stolze 17 Sommer auf der Weide verbracht und ich bringe es nicht über´s Herz ihr Leben zu beenden. Vor drei Jahren gab ich sie als “Pensionskuh” in´s Nachbardorf in eine kleine Herde robust gehaltener Angusrinder, dort hat sie Gesellschaft und sommers wie winters trotzt sie Wind, Wetter und Schnee. Leider hat es zu ihrer Zeit bei mir nie geklappt mit dem ersehnten Nachwuchs. Sie hat für sich entschieden, dass es genug sei mit dem Kalben und sich allen Verführungen des besuchsweise vorbeischauenden Bullen und auch der modernen Veterinärmedizin verweigert. Dafür hat sie von Anfang den jungen Hüpfern in ihrer neuen Herde gezeigt, wo das Rote Höhenvieh den Most holt. Ich erinnere mich gut an den ersten Tag bei ihren neuen Gefährten – das Jungvolk wurde erst ignoriert, dann mittels angedeutetem Kopfsenken souverän in seine Grenzen verwiesen. Dann entdeckte sie eine Altersgenossin am anderen Ende der Weide und trabte zum gemeinsamen Grasen zu der anderen alten Dame. Seitdem stehen sie immer beisammen.

Ihre Rasse gehört zu den schönsten und zum Glück nicht mehr seltensten ihrer Art. Das Rote Höhenvieh ist ein typisches Drei-Nutzen-Rind, übersetzt für Städter, diese Rinder geben Milch, ziehen den Pflug und am Ende natürlich noch Fleisch (ich hatte die seltene Ehre einen ihrer Nachkommen vor Jahren in Teilen zu goutieren – vergesst gehyptes Kobe dagegen einfach). Das umgängliche Wesen, Voraussetzung für die Arbeit als Zugtier, habe ich vorher und seitdem bisher nicht mehr gesehen bei einem anderen Exemplar von Wandas Art. Sie lässt sich aufhalftern wie ein Pferd, bei der jährlichen Hufpflege in einem monströs aussehenden Stahlrohrgestell kommt während Pediküre mittels lärmender Schruppschleifer nur ein leise klagendes Muhen über ihre Lippen. Und ja, sie hört auf ihren Namen, wenn man sie ruft.
Geärgert hat sie mich natürlich auch schon, besonders als ihr mittels modernster Veterinärtechnik zu neuem Mutterglück verholfen werden sollte. Das Aufhalftern liess sie sich noch gern gefallen, Gewohnheitstier halt, da gab es ja immer Belohnung für. Dummerweise fiel ihre fruchtbare Phase in eine Zeit wilder Winde, ekligen Regens und tiefen Temperaturen. Entsprechend unangenehm kühl war wohl die Sonde, die geprüfte, prämiierte, reinrassigen Spitzenvererberspende intrauterin verabreichen sollte. Aus einem wahnhaften Reflex liess ich den Halfterstrick nicht, so dass Wanda mich fröhliche Bocksprünge vollführend erst über die relativ nasserdige Weide schliff (schlechte Platzverhältnisse, um es für Fußballer zu übersetzen), letztendlich gelang es ihr aber, mit einem beherzten Sprung über einen dummerweise quer durch die Weide verlaufenden Wassergraben, mich am nördlichen Wassergrabenwall abzustreifen. Sie hat alles gut überstanden.
Aber so einer Grande Dame des Rindvieh-Tums konnte ich damals und auch heute nie böse sein – ein Blick aus ihren Kulleraugen entschädigt für alles. So wird sie wohl auch diesen Sommer noch ihr Rentier-Dasein weiter geniessen dürfen, außer die Krise kommt vor dem nächsten Winter so stark zum Tragen, dass ich sonst nichts zu futtern habe.

11. November 2009 at 16:56
hi,
Ich weiß nicht, ob das hier so gut reinpasst, aber ich habe auch eine Webseite, mit technischem Material (auch Bedienungsanleitung), die ich in andere Sprachen übersetzen möchte, bis jetzt wurde mir nur eine Agentur dazu empfohlen: Gebrauchsanweisung übersetzen Deutsch Englisch
hat noch jemand gute Erfahrungen gehabt?
Danke
gruß